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Statistik Obdachlosigkeit Berlin: 7 Zahlen zum Leben auf der Straße in der Hauptstadt.

Hunderttausende Menschen in Deutschland haben kein festes Dach über dem Kopf. Die Zahl der Obdachlosen in Deutschland ist innerhalb der vergangenen Jahren dramatisch angestiegen, eine offizielle Statistik gibt es jedoch nicht. In Berlin leben besonders viele Menschen auf der Straße. Welche Berliner Bezirke geben am meisten Geld für die Obdachlosenhilfe aus, wieviel Kohle lässt der Berliner Senat springen und sind Obdachlose wirklich überwiegend männlich? Wir haben 6 Zahlen & Fakten zur Obdachlosigkeit in Berlin gesammelt.

Die Kältehilfe geht in ihr 27. Jahr. Zwischen dem 1. November 2017 und den 31. März 2018 bieten wieder zahlreiche gemeinnützige, nicht-staatliche Organisationen ihre Hilfe für Menschen auf der Straße an. Neben Unterkünften gibt es zahlreiche Hilfsangebote wie Beratung, Verpflegung, medizinische Versorgung. Spenden, ehrenamtliche Helfer, Flächen – all daran fehlt es. Das Thema Obdachlosigkeit wurde lange Zeit stiefmütterlich behandelt, erst in den vergangenen Jahren und mit den steigenden Obdachlosenzahlen wird das Thema in den Medien präsenter. Offizielle Zahlen zum Thema Obdachlosigkeit fehlen auch deshalb, weil es keine zentrale Zuständigkeit gibt, das Problem zwischen Bund, Ländern und Kommunen aber auch den zuständigen Behörden hin- und hergeschoben wird. Offizielle Zahlen würden Vergleiche ermöglichen und Druck aufbauen. Wir haben einige Zahlen zur Obdachlosigkeit in Berlin für euch aufbereitet:

1. Bis zu 25.000 Wohnungslose, bis zu 10.000 Obdachlose in Berlin

Nach Schätzungen der Wohlfahrtsverbände – eine offizielle Statistik gibt es nicht – leben zwischen 4.000 und 10.000 Menschen in Berlin auf der Straße, bis zu 25.000 haben keine feste Wohnung und gelten als wohnungslos.

2. Bundesweit über 335.000 Wohnungslose

Bundesweit waren es 2014 laut Zahlen der BAG Wohnungslosenhilfe e.V. 335.000 Wohnungslose, wie aus dem aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hervorgeht. Im nächsten Jahr sollen es bundesweit schon 500.000 sein. Betroffen sind nicht nur Obdachlose und Wohnungslose. Die Wohnungsnot ist längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Laut einer Prognos-Studie fehlen in Deutschland derzeit rund eine Million Wohnungen.

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Obdachlosen-Camp unter einer Brücke

3. Aktuell nur 689 Kältehilfe-Plätze in Berlin

Zum Start der Kältehilfe-Saison 2017/2018 stehen gerade einmal 689 Kältehilfe-Plätze bereit. Bis Ende des Jahres soll die Zahl auf bis zu 1.000 Plätze aufgestockt werden. Die Kältehilfe wurde 1989 von Berliner Kirchengemeinden und Wohlfahrtsverbänden sowie von der Senatsverwaltung ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist es, Menschen ohne Wohnung zwischen dem 1. November und 31. März mit Angeboten wie Beratungsstellen, Notübernachtungen, Nachtcafes, Suppenküchen, Kältebussen vor dem Erfrieren zu helfen. Die Kältehilfe ist eine Notlösung für den Winter, keine dauerhafte Lösung der gesellschaftlichen und sozialen Probleme (Wohnungsnot, Zuwanderung, soziale Ungerechtigkeit etc.) betonen die Beteiligten. Die Helfer und Mitarbeiter/innen der Kältehilfe helfen akut, schützen Menschen vor Frost und Kältetod. Sie haben ein offenes Ohr, beraten, bieten Seelsorge, medizinische und praktische Hilfe. Es gibt klare Regeln – kein Alkohol, keine Gewalt, keine Drogen, – aber niemand wird abgewiesen und er kann alles mitbringen, was ihn oder sie belastet.

Kältehilfe-Projekt in Berlin-Friedrichshain: Ab 1. November bieten 8 Lodges Wohnungslosen ein Dach über dem Kopf und ein bisschen Privatsphäre und Heimatgefühl.
Kälteunterkünfte auf dem Gelände der St. Piuskirche in Berlin-Friedrichshain

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4. Budget für Obdachlosenhilfe wird erhöht 

2.632.694 Euro haben die Berliner Bezirke 2015 für Angebote der Obdachlosenhilfe zur Verfügung gestellt. Der Berliner Senat stellte 2015 rund 5,6 Mio Euro in einem integrierten Sozialprogramm für Angebote bereit, die von Bedürftigen ohne große Hürden nach Bedarf in Anspruch genommen werden können. Die Angebote reichen von Schlafplätzen über warme Mahlzeiten bis hin zur medizinische Notfallversorgung aber auch die Betreuung durch Beratungsstellen und Sozialarbeiter. Fünf Millionen Euro mehr sind im neuen Doppelhaushalt für 2018 und 2019 u.a. für Suppenküchen oder Notübernachtungen eingeplant, zusätzlich zu den bisher 4,1 Millionen Euro pro Jahr.

5. Welche Bezirke geben am meisten Geld für Obdachlosenhilfe aus? 

Die Bezirke geben unterschiedlich viel Geld für die Unterstützung von Hilfsprojekten aus: Während Friedrichshain-Kreuzberg 2015 die Obdachlosenhilfe mit über 723.000 Euro förderte, waren es in Steglitz-Zehlendorf gerade einmal 9.550 Euro, wie aus einer interaktiven Grafik mit den Fördergeldern der Berliner Bezirke hervorgeht. Die Zahl der Obdachlosen variiert je nach Bezirk stark und damit auch die Gelder, die die Bezirke zur Verfügung stellen. Die Angebote der Obdachlosenhilfe reichen von Schlafplätzen über warme Mahlzeiten bis hin zur medizinische Notfallversorgung. Beratungsstellen und Sozialarbeiter/innen sollen helfen, die Menschen wieder in die Systeme der Sozialhilfe zu integrieren.

6. Zahl weiblicher Obdachloser steigt

Von wegen Obdachlosigkeit betrifft ausschließlich Männer: Die Zahl der Frauen auf der Straße ist bundesweit seit den 1990er Jahren von 15 auf 25 Prozent gestiegen, so eine Statistik der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe  e. V. In Berlin gibt es nach Schätzungen mindestens 2.500 Frauen ohne feste Wohnung.
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7. Rund ein Viertel der Wohnungslosen aus Osteuropa

Immer häufiger kommen Menschen aus Osteuropa nach Berlin und leben auf der Straße. Nach inoffiziellen Schätzungen stammen bis zu 25 Prozent der Obdachlosen in Berlin ursprünglich aus Nord-, Mittel- und Südosteuropa. Auch die Zahl wohnungsloser Flüchtlinge aus Ländern des Nahen Osten steigt stark.

Weitere spannende Zahlen findet ihr auf obdachlosinberlin.de – einem Datenjournalismus-Projekt der Evangelischen Journalistenschule.


Wusstest Du? Unsere Festival-Lodges kommen im Winter als Kälteunterkunft für Obdachlose auf dem Gelände einer Kirchengemeinde in Berlin-Friedrichshain zum Einsatz. Die Caritas unterstützt das Projekt und du kannst unser Kältehilfe-Projekt jetzt auch unterstützen: Supporte unsere Spendenaktion bei betterplace.org >>

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